Energiekosten-Messgerät zwischen Steckdose und Fernseher im Wohnzimmer

Standby-Verbrauch messen: Stromfresser im Haushalt finden

In einem durchschnittlichen Haushalt stehen rund 25 Geräte dauerhaft auf Standby. Zusammen ziehen sie etwa acht Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Bei 1 Watt je Gerät und 20 Stunden Bereitschaft am Tag sind das 183 Kilowattstunden im Jahr, also knapp 100 Euro, für die niemand etwas bekommt.

Die gute Nachricht: Diese Verbraucher lassen sich mit einem Gerät für unter 20 Euro einzeln nachmessen. Die folgenden sieben Punkte zeigen, wie das geht und wo sich das Messen am meisten lohnt.

1. Das richtige Messgerät wählen

Ein Energiekosten-Messgerät wird zwischen Steckdose und Verbraucher gesteckt und zeigt die aktuelle Leistung in Watt sowie den aufsummierten Verbrauch in Kilowattstunden.

Worauf es beim Kauf ankommt:

  • Auflösung ab 0,1 Watt. Billige Modelle zeigen erst ab 3 Watt etwas an und melden bei modernen Geräten schlicht null.
  • Speicher für den Verbrauch, damit das Gerät über mehrere Tage messen kann.
  • Eingabe des Strompreises, dann rechnet das Display die Kosten direkt aus.
  • Kein zu großes Gehäuse, sonst passt es hinter Möbeln nicht in die Dose.

Wer nicht kaufen will: Verbraucherzentralen, Stadtwerke, Energieberatungen und viele Bibliotheken verleihen solche Messgeräte kostenlos oder gegen eine kleine Gebühr.

2. Richtig messen statt kurz draufschauen

Ein einzelner Blick aufs Display sagt wenig, weil viele Geräte in Zyklen arbeiten. Ein Router funkt, ein Kühlschrank taktet, ein Fernseher lädt nachts Updates.

Messen Sie deshalb über mindestens 24 Stunden, besser über eine ganze Woche, und lesen Sie dann die Kilowattstunden ab. Ein Wert von 0,15 kWh in 24 Stunden entspricht 54,75 kWh im Jahr, bei 35 Cent also gut 19 Euro.

Die Formel für den Jahreswert lautet: Watt mal Stunden pro Tag mal 365, geteilt durch 1.000, mal Strompreis. Der Rest ist Kopfrechnen. Wer wissen will, wie stark der eigene Tarif dabei ins Gewicht fällt, findet die aktuellen Konditionen unter https://www.stromvergleich.net und kann den gemessenen Verbrauch direkt gegen einen günstigeren Preis rechnen, was in vielen Haushalten mehr bringt als jede einzelne abgeschaltete Steckdose.

3. Die üblichen Verdächtigen zuerst prüfen

Nicht jedes Gerät lohnt die Messung. Diese hier fast immer:

Gerät Typischer Standby-Verbrauch Kosten pro Jahr
Alte Set-Top-Box oder Receiver 8 bis 20 W 25 bis 60 €
Router und Repeater 6 bis 12 W 18 bis 37 €
Spielekonsole im Ruhemodus 5 bis 15 W 15 bis 46 €
Fernseher, älteres Modell 3 bis 10 W 9 bis 31 €
Kaffeevollautomat mit Warmhaltung 3 bis 8 W 9 bis 25 €
Ladegeräte ohne Verbraucher 0,1 bis 0,5 W unter 2 €

Gerechnet mit 35 Cent je Kilowattstunde und dauerhaftem Betrieb.

Die letzte Zeile ist der Grund, warum das oft zitierte Handyladegerät in der Steckdose kein lohnendes Ziel ist. Der Receiver im Wohnzimmerschrank dagegen schon.

4. Auf das Baujahr achten

Seit 2013 dürfen viele Gerätegruppen im Bereitschaftsbetrieb nicht mehr als 1 Watt verbrauchen, darunter Computer, Fernseher, Audio- und Videogeräte sowie Mikrowellen. Neuere Geräte sind deshalb selten das Problem.

Alte sind es dafür umso mehr. Ein Röhrenfernseher-Nachfolger von 2008 oder ein Receiver aus derselben Zeit zieht im Standby teils über 20 Watt, also mehr als eine moderne LED-Lampe im Betrieb.

Als Faustregel gilt: Geräte, die älter als zwölf Jahre sind und dauerhaft am Netz hängen, gehören zuerst gemessen. Alles nach 2015 gekauft können Sie in der ersten Runde überspringen.

5. Die versteckten Dauerläufer finden

Manche Verbraucher fallen nicht auf, weil sie gar keine sichtbare Anzeige haben:

Klingeltrafo und Türsprechanlage. Laufen rund um die Uhr, oft mit 3 bis 8 Watt.

Heizungssteuerung und Umwälzpumpe. Eine alte, ungeregelte Pumpe kann 60 Watt dauerhaft ziehen, das sind über 180 Euro im Jahr.

Waschmaschine und Trockner. Moderne Modelle bleiben nach dem Programm im Bereitschaftsmodus, bis sie vom Netz getrennt werden.

Sprachassistenten und Smart-Home-Zentralen. Einzeln klein, in der Summe relevant, weil sie nie ausgeschaltet werden.

Zweitgeräte im Keller. Der alte Kühlschrank für Getränke ist selten ein Standby-, aber fast immer ein Dauerproblem.

6. Abschalten, ohne den Alltag zu verkomplizieren

Nach dem Messen kommt das Handeln. Drei Wege haben sich bewährt:

  1. Schaltbare Steckdosenleisten für Gerätegruppen, die zusammen genutzt werden, etwa Fernseher, Soundbar und Konsole.
  2. Zeitschaltuhren für alles mit festem Rhythmus, zum Beispiel den Kaffeevollautomaten oder die Zirkulationspumpe.
  3. Smarte Steckdosen mit Messfunktion, wenn Sie ohnehin messen wollen und den Verbrauch dauerhaft im Blick behalten möchten.

Was nicht vom Netz sollte: Router, wenn das Telefon darüber läuft, Geräte mit Firmware-Updates über Nacht, Kühl- und Gefriergeräte sowie alles, was zur Sicherheit gehört.

Einen Sonderfall bilden Drucker. Ein Tintenstrahldrucker führt nach dem Einschalten eine Reinigung der Düsen durch und verbraucht dabei Tinte. Wer ihn täglich hart vom Netz trennt, spart wenige Euro Strom und zahlt mehr für Patronen. Hier ist der Standby-Modus die günstigere Lösung. Bei einem Laserdrucker gilt das Gegenteil, er lässt sich bedenkenlos ausschalten.

7. Nach dem Messen einmal nachrechnen

Am Ende steht eine schlichte Liste: Gerät, gemessene Watt, Stunden am Tag, Kosten im Jahr. Sortiert nach der letzten Spalte zeigt sie in fünf Minuten, wo die 100 Euro stecken.

Realistisch lassen sich davon 50 bis 70 Euro einsparen, ohne dass sich am Alltag etwas ändert. Der Rest steckt in Geräten, die aus guten Gründen am Netz bleiben.

Den Jahreswert berechnen Sie einmal und schreiben ihn auf. Wer den Standby-Verbrauch seiner Elektrogeräte kennt, entscheidet anders: Ein Gerät mit hoher Dauerlast wird beim nächsten Kauf ersetzt, eines mit 0,3 Watt bleibt einfach stecken. Genau darin liegt der Nutzen des Messens. Es geht nicht darum, abends alles auszuschalten, sondern darum, die drei oder vier Geräte zu kennen, bei denen sich das Abschalten wirklich lohnt.

Alte Geräte sind dabei fast immer die Antwort. Wer den Verbrauch dauerhaft senken will, ersetzt zuerst den Receiver von 2009 und dann alles andere.

Weitere Hintergründe zum Strombedarf von Haushaltsgeräten und zu den Grenzwerten stellt das Umweltbundesamt bereit.

Wer beim Messen ohnehin hinter die Möbel greift, sollte gleich zwei weitere Punkte mitnehmen. Verschmutzte Kontakte und lose Stecker sind ein Sicherheitsthema, das der Beitrag zum Reinigen von Steckdosen behandelt. Und weil Beleuchtung nach der Unterhaltungselektronik der zweitgrößte Posten im Haushalt ist, lohnt der Vergleich zwischen Glühbirnen und LEDs direkt im Anschluss.